Über das Projekt

“Mapping the frontier line — establishing its shifting location — not only provides a means for mapping the spread of gentrification, but also provides a tool through which local neighborhood organizations, residents and housing activists can anticipate gentrification and thereby defend themselves against the processes and activities that convert their communities into a new urban frontier.” (Neil Smith, 1996)

Das soziale Problem der Gentrification – Verdrängungsprozesse aus innenstadtnahen Wohngebieten auf Grund ökonomischer, sozialer und kultureller Veränderungen – steht auch in Berlin auf der Tagesordnung vieler Diskussionen. Ob steigende Mieten in Kreuzberg und Neukölln, Schließungen von Clubs in Prenzlauer Berg oder Luxusneubauten in Mitte – die Aufwertung hat viele Gesichter – und mittlerweile auch viele Orte.

In akademischen und stadtpolitischen Diskussionen werden die negative Auswirkungen der Aufwertung oft angezweifelt und auch die Verwendung des Begriffs ist umstritten. Neben unterschiedlichen Definitionen ist es vor allem die vielfach spärliche Datenbasis, die eine realistische Einschätzung von Quartiersentwicklungen erschwert. Hat sich Bevölkerung tatsächlich ausgetauscht? Gibt es Einkommensteigerungen nicht auch in allen anderen Bezirken? Sind die Mietpreise wirklich überdurchschnittlich gestiegen? Stimmt es überhaupt, das es keine preiswerten Wohnungen mehr im Gebiet gibt?

Weder BewohnerInnen noch Stadtteilinitiativen und nicht einmal die Ämter können diese Fragen beantworten und der Gentrification-Befund bleibt oft vage – so dass Forderungen nach einer anderen Stadt- und Wohnungspolitik leicht als unbegründet zurückgewiesen werden können.

GentriMap ist eine Web-Anwendung. Im Rahmen des Projektes werden wir ein  Programm entwickeln, um die Stadtentwicklungsprozesse in Berlin, erstmals auf gesamtstädtischer Ebene zu visualisieren. Soziodemografische und ökonomische Daten werden auf einer virtuellen, interaktiven Karte dargestellt und verknüpft. Für möglichst kleinräumige Maßstäbe (Straßen, Blöcke, LOR-Planungsräume) wird der zeitliche Verlauf von Veränderungen der einzelnen Dimensionen nachgezeichnet. So können Zusammenhänge zwischen den einzelnen Indikatoren, die zu Gentrification führen, sichtbar gemacht werden.

GentriMap versteht sich als ein OpenData- und Datenjournalismus-Projekt. Neben der Nutzung statistischer und amtlicher Berichte setzen wir auf die Verknüpfung von im Netz offen zugänglichen Daten. Das Projekt will so einen Beitrag zu den Bemühungen von OpenData-Initiativen wie der Open Knowledge Foundation leisten, Daten der öffentlichen Hand für alle verfügbar zu machen.

In diesem Blog werden wir in unregelmäßigen Abschnitten über unsere Arbeit am Projekt berichten, Ergebnisse präsentieren und Informationen rund um das Thema und den aktuellen Stand der Forschung bereitstellen.

GentriMap macht Gentrification sichtbar. Für AktivistInnen, ForscherInnen, Stadtteilinitiativen und alle interessierten BürgerInnen.

Zu den Zielsetzungen des Projekts